Was ist das? (...2)
    DSG e.V.
Suiseki News  Ausgabe 2/2015   © DSG 
Deutsche Suiseki-Gesellschaft e. V.  German Suiseki Society 
Eröffnung der „2nd Japan Suiseki Exhibition“ im Metropolitan Art Museum,Tokyo  Chairman der Nippon Suiseki Association (NSA) Kunio Kobayashi (3. von links) und  andere Persönlichkeiten bei der  Bandzerschneidungs-Zeremonie  bei der Ausstellungs-Eröffnung        Titelfoto:   2nd Japan Suiseki Exhibition  Dieser Setagawa-Stein wird als ‚nashiji hada‘ oder Birnenhaut-Oberflächen- musterstein aus dem Kyoto-Fluss bezeichnet, wobei der dem größeren Berg vorgelagerte kleinere Berg den Eindruck größerer Tiefe erzeugt bei dem ansonsten  ziemlich flachen Stein.        Die „Deutsche Suiseki-Gesellschaft“ dankt Herrn Wil Lautenschlager, Vorstandsmitglied  der Nippon Suiseki Association, für die Erlaubnis, seinen ausgezeichneten und für  Suisekiliebhaber aufschlussreichen Artikel in den „Suiseki News“ veröffentlichen  zu dürfen.   Der Artikel ist zum ersten Mal in der Märzausgabe 2015 der Newsletter der California Suiseki Kai erschienen. www.aisekikai.com

The Second Japan Suiseki Exhibition“  

Die zweite Japan-Suiseki-Ausstellung 

  

von Wil Lautenschlager,  Übersetzung aus dem Englischen von  Gudrun Benz    Dank des begeisterten Echos auf die erstmalige Japan-Suiseki-Ausstellung im letzten Jahr hatte die Nippon Suiseki Association (NSA) in diesem Jahr mit neuer Energie mit den Vorbereitungen für die zweite Auflage der Show begonnen.  Die neben der weltbekannten Kokufu-Bonsai-Ausstellung im Tokyo Metropolitan Art Museum veranstaltete Show hat mehr Besucher als erwartet angezogen,  und dieses Jahr war darin eine Wiederholung mit einem großen Besucherstrom  jeden Tag.    Bevor ich zur Besprechung von einigen Exponaten komme, möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, einige Fragen anzusprechen, die während der Ausstellung aufgekommen sind. Erstens ist dies der eher einfache Name, dessen Übersetzung schwieriger ist als man  annehmen könnte.  Der japanische Titel könnte im Englischen als „The Suiseki Exhibition of Japan“  (Suisekiausstellung von Japan) wiedergegeben werden, was nahe legt, dass es nur eine Show im ganzen Land gibt, oder alternativ könnte die Bedeutung „The Exhi- bition of Japanese Suiseki“ (Ausstellung japanischer Suiseki) angenommen werden,  was für eine Ausstellung von nur japanischen Steinen angebracht wäre, doch dies  spiegelt nicht genau den Inhalt der Show wider.  Aus diesem Grund ist die wörtliche Übersetzung etwas schwerfällig, so dass  „Japan-Suiseki-Ausstellung“ („The Japan Suiseki Exhibition“) sich als beste Möglichkeit ergeben hat.     Der Gedanke nach dem Sinn bringt uns zu dem zweiten Punkt:  Ist die Ausstellung auf nur japanische Steine beschränkt?  Bei der ersten Ausstellung wurde es als ideal gesehen, japanische Steine inden  Mittelpunkt zu stellen als einen Weg, den durchschnittlichen japanischen  Museumsbesucher in die große Bandbreite einheimischer Steine einzuführen,  ihm die ursprüngliche Form der Suisekitradition aufzuzeigen. Es wurde jedoch  beschlossen, dass ab der zweiten Show Steine von der ganzen Welt zur Ausstellung zugelassen werden sollten im Bestreben, die Bande zwischen der NSA und Enthusiasten außerhalb von Japan zu stärken...      
2. Japan-Suiseki-Ausstellung: Ein zerklüfteter (zerfurchter) Inselstein aus  dem Kamogawa in einem lebhaft gefärbten Suiban wurde von dem Ameri- kaner Jake Wilson ausgestellt .  
Eine schöne Sommerpräsentation eines Steinbogensteins (Tunnelsteins) in  einem blau-grün glasiertem Suiban auf einem leichten Bambustisch, was  den Eindruck von Wasser verstärkt.   
...Dieses Jahr wurden Steine aus Europa, den Vereinigten Staaten und drei  asiatischen Ländern neben ihren japanischen Gegenstücken ausgestellt,  um der Show ein größeres internationales Niveau zu verleihen, das sich hoffentlich in den kommenden Jahren verstärken wird.    Als nächstes sollen einige Fragen deutlich machen, dass man überdenken  muss, was man irrtümlicherweise als feste „Regeln“ der Ausstellung in einer  Tokonoma und der Verwendung eines Suiban betrachtet hat. Die Ausstellung ist im Februar, dennoch gibt es herbstliche Tokonoma- Gestaltungen (wie auch Frühlings-und Sommerpräsentationen).  Matsuura erklärt in seiner „Einführung in Suiseki“ von 2010  eindeutig, dass Suiban nicht imWinter verwendet werden, obwohl viele Suiban verwendet  werden.  Ist dies ein Widerspruch?  Verfolgen verschiedene Leute unterschiedliche Regeln?  Nein und nein.  Die Antwort liegt in der kontextuellen Einordnung dieser Richtlinien,  im Verständnis, wie sie ursprünglich entstanden sind, und im Erkennen der  unterschiedlichen im Spiele stehenden Absichten.  Die Tokonoma ist ein intimer, privater Raum, in dem Menschen Kunstobjekte  oder Familienerbstücke ausstellen zu ihrer eigenen Befriedigung oder zur Freude für speziell eingeladene Gäste, insbesondere im Falle einer Teezeremonie.  Im Privatbereich werden Präsentationen routinemäßig mit dem jahreszeitlichen Wechsel und speziellen Gelegenheiten verändert, und bestimmte Tendenzen,  wie das Empfinden von „Wärme“ von Holz gegenüber der „Kühle“ von Keramik im Winter, begannen sich zu entwickeln.  Mit der Zeit wurden diese Tendenzen eher allgemeine Praxis als feststehende  Regeln und wurden allgemein als sinnvolle Normen angenommen.  Verschiedene Tee-Schulen mögen tatsächlich strenge Regeln aufgestellt haben, um ihren Stil von anderen zu unterscheiden, aber solche strengen Gesetze wurden niemals landesweit in Japan als eine Suiseki-Praxis festgelegt oder  akzeptiert.  Das Konzept einer jährlichen öffentlichen Ausstellung in einem Museum ist weit  von einer privaten Ausstellung in einem eigenen Heim entfernt.  Stellen Sie sich vor, wenn in den Ausstellungen der kommenden Jahre nur  Winter-Tokonoma-Präsentationen erlaubt wären, weil sie zusammen mit der  Kokufu im Februar angesetzt sind, und kein Suiban jemals erlaubt wäre  wegen des Empfindens von Kühle bei Keramik...
Von einem leicht erhöhten Winkel aus scheint dieser Kurama ishi nur eine  Öffnung in der Mitte zu haben. Wenn man ihn jedoch direkt von der Seite  aus betrachtet, zeigt sich, dass der Daiza so gefertigt worden ist, dass der  Stein über ihm schwebt mit nur einigen wenigen Kontaktpunkten . Der  einer goldenen Wolke gleichende Stein wird bereits seit langer Zeit in Ja- pan in Ehren gehalten.   
...Und dies nur, weil bestimmte Normen, die in einem völlig anderen Kontext  entstanden sind, die Zielsetzung einer solchen Ausstellung vollkommen sinnlos machen würden, die darin besteht, die reiche kulturelle Bandbreite der  Steinwertschätzung und die Vielfalt ihrer Ausprägung aufzuzeigen.  Bei  Präsentationen von allen Jahreszeiten vermeidet man nicht nur die Monotonie  einer Ein-Jahreszeiten-Show (Jahr für Jahr), sondern kann die Besucher mit dem  ganzen Potential bekannt machen, dass Steine in der Lage sind, Naturszenen zu  allen Jahreszeiten zu suggerieren.  Die Verwendung eines Suiban in solchen Ausstellungen optimiert die Aussagekraft des Ausstellers und demonstriert einen grundlegenden Aspekt von Suiseki. Eine umfangreiche Ausstellung ohne einen einzigen Suiban ist einfach undenkbar. Ausstellungen wie diese verfolgen erzieherische Absichten, sie sind ästhetisch,  und wenn sie die ganze Breite zeigen, was Suiseki bietet, können die Besucher mit dem nach Hause gehen, was sie gelernt haben und für sich selbst anwenden, indem sie eine neue Idee, die sie unterwegs mitgenommen haben, umsetzen.    Zum Schluss die Frage der Akzentpflanzen. Bis heute haben  Akzentpflanzen immer Leben in die Ausstellungen der NSA gebracht,  so dass viele Besucher im letzten Jahr verständlicherweise enttäuscht waren, dass dieser faszinierende Aspekt fehlte. Und warum sind alle Suiban trocken? Normalerweise wässert Personal regelmäßig die in einem Suiban ausgestellten  Steine,was bei dieser Show nicht gemacht wurde.  Unglücklicherweise bestimmen die Regeln des Museum, dass in der Galerie,  wo die Ausstellung stattfindet, kein Wasser verwendet werden darf.  Tatsächlich ist mit Ausnahme des Erdgeschosses, wo die Kokufu abgehalten wird, die Verwendung von Wasser in allen Galerien des Museums  verboten.  Eine Suiseki-Ausstellung ohne Wasser scheint eine große Ironie zu sein, wenn man an den Ursprung des Wortes denkt, doch die NSA geht verantwortungsvoll mit dem Raum um, und mit vorsichtigem Verhandeln ist zu hoffen, dass man es in Zukunft ändern kann.  Es ist die aufrichtige Hoffnung der NSA, dass sowohl die Ausstellungsbesucher als auch jene, die nur ersatzweise mit Hilfe des Kataloges sich daran erfreuen können, davon inspiriert und ermutigt werden, zu lernen und weiter „auf Entdeckung zu gehen“. *************************************************************  
Dieser Iyo ishi wurde schon unzählige Male in japanischen Suisekibü- chern veröffentlicht, und die Wellenformen auf dem deutlich gemusterten  Doban schaffen eine Präsentation, die keiner Erklärung bedarf.  
Dieser Fujieda-Gebirgsstein (Gebirge aus der Ferne betrachtet) ist nicht  nur wegen seiner Form exzellent, sondern ragt wegen der feinen Oberflä- chentextur auf der linken Seite heraus.   
Dieser glatte Stein aus dem Shimantogawa in der Shikoku-Prefektur spie- gelt die tiefschwarze Farbe und die sanften Umrisse wider, für die diese  Flusssteine bekannt sind..   
Dieser Setagawa ishi wurde von Yvonne Graubaek aus Dänemark auf  einem handgefertigtem Seidentuch nach dem von  der Bonseki-Tee- Zeremonie geprägtem Stil ausgestellt. Das feine ‚urushie‘-Muster in  Goldlack an den Ecken des Ausstellungstisches verleiht eine weibliche  Note.   
Die weißen Einschlüsse sind bei einem Sado-Akadama-ishi selten und  könnten als Schaum von Wellen angesehen werden, die gegen ihn von dem  auf dem Rollbild darüber abgebildeten Ozean geworfen werden. Seine  Farbe könnte der Stein von dem Sonnenuntergang (auf dem Bild) erhalten  haben.        
Die blass-rote Farbe dieses Steins passt perfekt zu dem Rollbild, das fal- lende Kirschblütenblätter zusammen mit Schnee während des Vollmondes  darstellt. (weitere Erklärungen auf Seite 13 unteres Bild)
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Freude an Steinen”